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Letzte Änderung am Montag, 12. Juli 2010 um 14:51:35 Uhr.


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Kastration ja oder nein ?

Kastration ja oder nein ?

Immer wieder begegnen wir bei diesem Thema einer gewissen Begriffsverwirrung. Deshalb zunächst mal zur Definition: Kastration ist die Entfernung der Keimdrüsen, also der Hoden oder der Eierstöcke. Sowohl männliche als auch weibliche Tiere werden kastriert. Sterilisation ist die "Unfruchtbarmachung", z.B. die Unterbindung der Eileiter oder der Samenleiter. Sie ist auch bei beiden Geschlechtern möglich, aber in der Tiermedizin unüblich.
Kastration, das ist doch ein Routineeingriff, werden viele von Ihnen sagen, wozu darüber nachdenken. Bei unseren Wohnungskatzen sind die Rolligkeiten der Katzen z.T. lautstark und die Duftmarken der Kater so intensiv, dass ja ohne Kastration ein gedeihliches Zusammenleben recht schwierig wäre, und bei den Katzen mit Auslauf ist die Kastration zur Vermeidung unerwünschten Nachwuchses unumgänglich. Richtig! Der Tierschutzverein selbst propagiert diesen Eingriff bei Katzen und nimmt ihn selbst in hunderten von Fällen jährlich vor.
Nachteilige Folgen sind bisher auch kaum beschrieben. Man sollte sich aber darüber im klaren sein, dass sich das typische Erscheinungsbild des Katers - stämmiger Rumpf mit rundem Kopf und dicken Backen - als sekundäres Geschlechtsmerkmal erst unter dem Einfluss der männlichen Geschlechtshormone ausprägt, also nicht, wenn man mit acht Monaten kastrieren lässt. In diesem Zusammenhang noch ein Wort zur Welpenkastration. Eine "Mode", liebe Tierfreunde, die aus Amerika kommend, zunehmend auch bei uns propagiert wird. Es ist chirurgisch kein Problem, einen drei Monate alten Katzenwelpen beiderlei Geschlechts zu kastrieren, nur fragt man sich, warum ohne Not so früh in die körperliche und psychische Entwicklung der Tiere eingegriffen werden soll, zumal Langzeitfolgen dieses Vorgehens noch nicht ausreichend untersucht und beschrieben sind.
Bei Hunden stellt sich die Situation insofern anders dar, als mit der Kastration häufig falsche Erwartungen verknüpft werden, und u.U. sogar nachteilige Folgen auftreten können. So werden Rüden nicht automatisch leichter erziehbar durch die Kastration. Ein bissiger Rüde wird nicht automatisch lammfromm. Die Kastration kann die Erziehung keineswegs ersetzen - und nicht jeder unkastrierte Rüde ist automatisch ein Raufer! Eine vernünftige Sozialisation, d.h. normale Gewöhnung an den Umgang mit anderen Hunden schon im Welpenalter z.B. in der Welpenschule, bietet mehr Gewähr für ein instinktnormales Verhalten als eine Kastration. Nicht wenige Hunde neigen nach der Kastration langfristig zur Gewichtszunahme, manche auch zu Fellveränderungen in Richtung eines weichen Welpenfells. Besitzer von z.B. kastrierten Irishen Setterhündinnen können ein Lied davon singen.
Argument für eine Kastration von Hündinnen ist das nachgewiesen verringerte Auftreten von Gesäugetumoren. Mit den ausbleibenden Läufigkeiten unterbleiben auch die Scheinträchtigkeiten und die dabei auftretenden Gesäugeaktivierungen. Dieser positive Effekt tritt aber nur ein, wenn die Kastration vor der ersten Läufigkeit vorgenommen wird.
Eine unangenehme Folge der Kastration ist auch bei Rüden beschrieben, wird aber häufiger bei Hündinnen beobachtet, die Harnblasenschwäche: Bei einem nicht geringen Prozentsatz der kastrierten Hündinnen kommt es nach Monaten bis Jahren zum Harnträufeln, d.h. die Tiere verlieren die Kontrolle über ihren Harnabsatz. Meist findet man einen feuchten Urinfleck auf dem Lager. Dieses Phänomen ist vor allem bei großen Hunden und besonders bei Boxern beschrieben. Es ist nicht immer, aber in den meisten Fällen mit Medikamenten zu beheben - nur müssen diese Medikamente täglich und ständig gegeben werden. Und noch eine unerwünschte Nebenwirkung kann besonders bei dominanten, d.h. selbstbewussten Hündinnen auftreten, dass sie nämlich aggressiver werden nach der Kastration, also in manchen Fällen gerade das Gegenteil dessen eintritt, was man mit der Kastration erreichen wollte.
Wohlgemerkt, liebe Tierfreunde, es soll hier nicht generell gegen die Kastration, sondern nur gegen einen gedankenlosen "Kastrationsautomatismus" argumentiert werden. Es gibt gute Gründe für eine Kastration. Der wichtigste ist die Populationssteuerung, die Vermeidung unerwünschten Nachwuchses. Dieser Passus wurde ausdrücklich bei der letzten Novellierung in das Tierschutzgesetz aufgenommen, nachdem die Kastration ohne medizinischen Grund vorher ausdrücklich verboten war.
Unerwünschten Nachwuchs kann ein verantwortungsbewusster Hundehalter auch ohne Kastration verhindern, sei es durch aufmerksame Haltung, sei es durch Medikamente. In jedem Fall sollte der Eingriff überlegt und nach sorgfältiger Abwägung aller Fakten und nicht, weil es so üblich und bequem ist, vorgenommen werden.